I. Das Wettbewerbskonzept

Zur Teilnahme am Wettbewerb um den Botho-Graef-Kunstpreis wurden sieben Künstlerinnen und Künstler beziehungsweise Künstlerduos eingeladen. Diesen Preis für zeitgenössische Kunst lobt die Stadt Jena im Turnus von drei Jahren aus. In seiner zehnten Ausgabe im Jahr 2018 widmete sich der Wettbewerb dem Gedenken an Eduard Rosenthal.

Im Rahmen des Wettbewerbs galt es, die Lücke, die Eduard Rosenthals verschwundenes Bildnis hinterlässt, zu thematisieren und die Spuren seines vielfältigen Engagements sichtbar werden zu lassen. Mit einer künstlerischen Arbeit sollten seine zahlreichen Wirkungsorte verknüpft werden und die Erinnerung an sein politisches, kulturelles und soziales Handeln auf ganz Thüringen ausstrahlen. Doch das Kunstwerk sollte kein Denkmal im traditionellen Sinne sein. Gefordert war vielmehr ein Werk, das Geschichte in ihrer Komplexität und Unabgeschlossenheit erfahrbar macht und Pluralismus und Multiperspektivität ermöglicht. Dabei waren die verschiedensten künstlerischen Gattungen, Medien und Verfahren denkbar, die in großer Breite in den Wettbewerb einbezogen wurden. Mehrere selbständige, netzwerkartig miteinander verbundene Elemente sollten in ihrem Zusammenwirken die Summe des Engagements Rosenthals repräsentieren und zugleich über seine Person hinausweisend ein Plädoyer für Demokratie darstellen.
Das Verschwinden von Rosenthals Porträt sollte dabei stellvertretend für die von den Nationalsozialisten betriebene Auslöschung jüdischer Persönlichkeiten aus dem kulturellen Gedächtnis thematisiert werden. So waren an das Kunstwerk drei Funktionen geknüpft: 1. Ehrung Eduard Rosenthals und seines Wirkens für die Friedrich-Schiller-Universität, die Stadt Jena und das Land Thüringen 2. Thematisierung der antisemitischen und antidemokratischen Ausgrenzung seines Porträts stellvertretend für die Ausgrenzung und Ermordung der Juden im Nationalsozialismus 3. Würdigung der Thüringer Landesverfassung als Produkt engagierten demokratischen Bürgersinns. Der Siegerentwurf soll bis zum Jahr 2020 verwirklicht und anlässlich des 100. Jahrestags der Gründung des Landes Thüringen in Erinnerung an Rosenthals Niederschrift der Thüringischen Landesverfassung eingeweiht werden.

II. Die Künstlerinnen und Künstler

Sechs im Feld der Erinnerungskultur hervorragend ausgewiesene Künstlerinnen und Künstler beziehungsweise Künstlerduos haben nach der Einladung der Kuratorin Verena Krieger Ideen für ein dezentrales Denkmal für Eduard Rosenthal eingereicht.

III. Die Ausstellung

Die sechs Entwürfe für ein dezentrales Denkmal waren vom 8. Dezember 2018 bis 27. Januar 2019 im Jenaer Kunstverein ausgestellt. Im Laufe des Jahres 2019 wird die Ausstellung auch in Erfurt und Weimar zu sehen sein.

Ein breit gefächertes Vermittlungsprogramm mit Führungen, Matineen und eine Kinder-Jury lud die Gäste zur Diskussion ein. Auch die »Feedback Wand« oberen Geschoss regte zur Auseinandersetzung mit den Konzepten und weiter gefassten Themen wie neuen Denkmalsformen an. Der offene Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern bleibt auch nach der Ausstellung in Jena ein wichtiger Bestandteil des Vermittlungskonzeptes. Deshalb ist die Präsentation in Weimar und Erfurt und weitere Formate in Planung. Über Neuigkeiten informieren wir über unseren twitter-Kanal. Folgen Sie uns.

IV. Die Entwürfe

Zum Botho-Graef-Kunstpreis 2018 wurden sechs Vorschläge eingereicht, die sich auf unterschiedlichste Weise mit der entstandenen Leerstelle und der Würdigung Eduard Rosenthals auseinander setzen. Von der Jury als Siegerentwurf gewählt wurde der Entwurf »Einblicke - Erkundungsbohrungen nach einem verschwundenen Bildnis« von Horst Hoheisel und Andreas Knitz.

V. Die Jury

Die Jury setzte sich aus international bekannten Künstlerinnen und Künstlern sowie Expertinnen und Experten für Kunst und Erinnerungskultur zusammen.