I. Kunstpreis der Stadt Jena

Der Kunstpreis der Stadt Jena ist dem Kunsthistoriker Botho Graef gewidmet. Jedes heutige Engagement für Gegenwartskunst setzt sein Wirken und seinen Einsatz für die moderne bildende Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Jena fort. Mit der Vergabe dieses Preises und den in diesem Zusammenhang stattfindenden Ausstellungen, Gesprächen und Aktionen würdigt die Stadt Jena deutsche wie internationale Künstlerinnen und Künstler und fördert die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer bildender Kunst.

 

Der 1992 ins Leben gerufene Botho-Graef-Kunstpreis wird von der Stadt Jena zunächst alle zwei Jahre, seit 2001 überwiegend im Dreijahresrhythmus zu wechselnden Themen ausgelobt. Er steht in der Regel unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters und wird mit 5.000 Euro dotiert. Der Kunstpreis wird in der Konzeptionierung, Vorbereitung und Organisation maßgeblich von JenaKultur, gegebenenfalls unter Hinzuziehung eines externen Kurators getragen. Die Kriterien und Modalitäten der Ausschreibung werden mindestens ein Jahr vorher festgelegt, worüber JenaKultur in Absprache mit dem Kulturausschuss der Stadt sowie dem gegebenenfalls hinzu gezogenen Kurator befindet. Das festzulegende Procedere umfasst: 1. das Genre und/oder eine thematische Eingrenzung der Ausschreibung 2. das Verfahren der Ausschreibung, wobei eine offene, eine beschränkte Auslobung, Empfehlung sowie Direktbenennung von Künstlern zulässig sind und 3. Wettbewerbe zu stadtgestalterischen Projekten.

Die Spezifik des Kunstpreises soll sowohl in der Förderung zeitgenössischer nationaler wie internationaler Kunst als auch im thematischen Bezug zur Stadt Jena liegen. Darüber hinaus wird ein Nachhaltigkeitsgedanke berücksichtigt. So ist es der Stadt zwischen 2000 und 2015 bisher gelungen, vier Wettbewerbsentwürfe in den öffentlichen Raum zu bringen. Dazu zählen die Kunstwerke Zwei Metazeichen für Jena – eine Lichtinstallation von Mischa Kuball auf dem Holzmarkt aus dem Jahre 2000, der 2006 entstandene Audiowalk Jena-Cospeda von Janet Cardiff und George Bures Miller aus Kanada, die zweiteilige Arbeit Intellektuelle Zweisamkeit mit LED-Laufschrift und Messing-Bodenplaketten von Maria Vill und David Mannstein am Haus Unterm Markt 1 aus dem Jahre 2009 sowie die 2015 realisierte begehbare Gartenbauskulptur Folly von Anika Gründer im Garten der Villa Rosenthal.

Bisher erfolgte Ausschreibungen und Themen:

1992 offene Ausschreibung zum Thema »Toleranzen« für Zeichnungen, Kleinplastik und Objekte; Preisträgerinnen: Christa Flagner, Helga Regenstein, Heike Schaefer, Anerkennung: Miroslav Kollar

1994 offene Ausschreibung für »Künstlerpaare«, Anforderung: gemeinsames Werk; Preisträger: M+M (Martin De Matia, Marc Weis)

1996 beschränkter Wettbewerb »Platzierte Kunst« für die Gestaltung eines innerstädtischen Platzes, Symposium zur Kunst im öffentlichen Raum; Preisträger: Olaf Nicolai, Zweitplatzierter: Mischa Kuball

1998 beschränkter Wettbewerb zum Thema »Licht«; Preisträger: Via Lewandowsky

2001 beschränkter, erstmals internationaler Wettbewerb zum Thema »IMAGINATION Romantik«; Preisträgerin: Mariele Neudecker (Großbritannien)

2004 beschränkter internationaler Wettbewerb zum Thema »Erinnerungsfeld Windknollen 1806«, Ein Beitrag zum Deutsch-Französischen Jahr »rendez-vous«

2006 Preisträgerin und Preisträger: Janet Cardiff und Georges Bures Miller (Kanada)

2008 beschränkter nationaler Wettbewerb zum Thema »Die schicksalhafte Begegnung Goethes und Schillers im Jenaer Wunderjahr 1794«. Ein Beitrag zum Schillerjahr 2009; Preisträger und Preisträgerin: David Mannstein und Maria Vill

2012 offene Ausschreibung zum Thema »Die künstlerische Aufwertung des Gartens der Villa Rosenthal«; Preisträgerin: Anika Gründer

2015 offene Ausschreibung zum Thema »Das Romantikerhaus. Ideen zur künstlerischen Gestaltung des Umfeldes mit Brunnenhof«, Preisträger und Preisträgerin: Alex Rix und Renate Schäfer-Jöckel

Ein fünf- bis sieben-köpfiges unabhängiges Expertengremium, welches sich ausschließlich aus Kunsthistorikern, Historikern, Kuratoren und anderen themenbezogenen Fachleuten zusammensetzt, entscheidet über den oder die Preisträger. Maßstäbe für die Preisverteilung soll die künstlerische Leistung sein, die sich durch Qualität, Originalität und themengetreue Umsetzung auszeichnet. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro wird an einen oder maximal zwei Künstler bzw. Künstlerinnen zu gleichen Teilen (je 2.500 Euro) vergeben. Die Preisverleihung verpflichtet die Auslober nicht zum Ankauf eines Kunstwerkes oder zur Realisierung von stadtgestalterischen Projekten.

2018 wird der Botho-Graf-Kunstpreis zum 10. Mal vergeben.

II. Zur Person Botho Graef

Botho Graef (1857-1917) gehört zu den großen Personen der Universität, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem Kultur- und Geistesleben Jenas moderne Züge verliehen. Er lehrte von 1904 bis 1917 als »Extraordinarius« an der Jenaer Universität und spielte als Mentor des 1903 gegründeten Jenaer Kunstvereins und als Kunstmäzen über die städtischen Grenzen Jenas hinaus eine bedeutende Rolle. Mit Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde förderte der Kunsthistoriker wichtige Künstler der Moderne.

Botho Graef

Botho Graef stammt aus einer Berliner Künstlerfamilie. Er studiert in Berlin und Greifswald Klassische Philologie und Archäologie. Neben der Universitätslaufbahn in Berlin prägen ihn Forschungen und Ausgrabungen in Italien, Griechenland und Kleinasien. 1904 wird er an die Universität Jena berufen. Zudem ist er dort als Direktor des Germanischen Museums sowie des 1907 eingeweihten Archäologischen Museums tätig. Seine rege öffentliche Vortragstätigkeit befasst sich vor allem mit der griechischen Antike und mit der bildenden Kunst von der Renaissance bis zur Gegenwart.

Er zeigt sich zeitlebens als Liebhaber der Künste, wobei bildende Kunst, Literatur, Theater und Musik gleichermaßen seine Aufmerksamkeit fesseln. In Jena wird er bald zum intellektuellen Oberhaupt der Kreise, die nach dem Vorbild der Weimarer Kulturbemühungen um Harry Graf Kessler für das Vordringen der modernen Kunst wirksam werden. Dem Jenaer Kunstverein bietet er als Mentor fortwährende Unterstützung und kritische Mithilfe. Als Mitglied der Baukommission für die neue Universität, bei der Einrichtung des Archäologischen Museums und durch die Anregung, Ferdinand Hodler mit dem bedeutenden Monumentalgemälde der Universität »Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813« zu beauftragen, setzt er sich unermüdlich für das Kunstleben der Saalestadt ein. Als Kunstsachverständiger im Ausschuss für das Ernst-Abbe-Denkmal streitet er für den Tempelbau van de Veldes.

Mit Ausstellungsbesprechungen, Eröffnungsvorträgen und Abhandlungen engagiert er sich besonders für umstrittene zeitgenössische Maler. Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner, denen Graef besonders nahesteht, ebnet er den künstlerischen Weg. Aufgrund viel beachteter Eröffnungsvorträge zu Ausstellungen in Hamburg, Hagen, München und Essen gilt der Jenaer Professor als Vorkämpfer der expressionistischen Bewegung. Ernst Ludwig Kirchner durchlebt zwischen 1914 und 1917 bei seinem väterlichen Freund Botho Graef in der Begegnung mit künstlerisch und geistig verwandten Menschen eine Zeit schöpferischen Arbeitens und genussreichen Entspannens. In Graefs Wohnung findet er Zuspruch und Anregung für seine individuelle Lebensbewältigung und sein Künstlertum.

Graefs Krankheit und Tod im Jahre 1917 bewegen Kirchner dazu, dem Förderer und Freund mit einer Stiftung von 260 Holzschnitten, Lithographien und Radierungen an den Jenaer Kunstverein ein ehrendes Denkmal zu setzen. Damit wird die »Botho-Graef-Stiftung« zum wertvollsten Bestand der Jenaer Kunstsammlung.

Quelle:

Vgl. Lingelbach, Gerhard (2005): Eduard Rosenthal (1859-1926). Rechtsgelehrter und »Vater« der Thüringer Verfassung von 1920/21. Schriften zur Geschichte des Parlamentarismus in Thüringen (Band 25), S. 14.

Quelle:

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